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Yuseido – Techniken

Yuseido – Techniken

 

Anforderungen an die Yuseido – Techniken:

 

Yuseido soll…

ohne Kraft

ohne Akrobatik

ohne spezielle Fitness

in allen Situationen gegen jeden

…funktionieren

 

 

Wie kann ich das erreichen?

Beispiele:

1. Aktiv werden.

Wir agieren, der Gegner muss reagieren.

2. Schwachstellen des Gegners angreifen.

Kehlkopf, Augen, Knie… sind nicht abzuhärten

3. Kräftemessen vermeiden.

Nicht versuchen den Fauststoß des Gegners aus der Bahn zu schaffen (harter Block) sondern den eigenen Körper zur Seite bewegen.

4. Kraft des Angreifers verwenden.

Den vorstürmenden Angreifer in die eigene Faust laufen lassen.

 

 

Es gibt keine festen Techniken im Yuseido:

 

Yuseido basiert auf Prinzipien, nicht auf bestimmte Techniken oder vorher bestimmten Kombinationen. Tatsächlich hat Yuseido keine „festen“ Techniken denn

 

Yuseido ist ständige Bewegung, nicht Position.

 

Es gibt nur zwei Arme, den vorderen (Man-Sao) und den hinteren (Wu-Sao). Diese Arme haben die Eigenschaften federnder, elastischer Rattan-Stöcke und unser ganzer Körper hat einen konstanten Energiefluss nach vorn. Das bedeutet, dass wir den Gegner angreifen. Die Abwehrtechniken werden direkt durch die Handlungen des Gegners bestimmt und angepasst. Hier wird das taoistische Prinzip des Wu-Wei (handeln, ohne vorher zu planen) verwirklicht. Yuseido Bewegungen werden ohne Zwischenpause oder Arretierung (Kime) flüssig hintereinander ausgeführt.

 

Wenn man das Foto eines Kampfkünstlers sieht, kann man daran nicht beurteilen, ob es Yuseido ist, was er dort demonstriert. Alles was man sieht, ist ein Ausschnitt einer Bewegung, eine Position. In einem Kampf durchläuft man diese Position nur kurz, kaum sichtbar. Ebenso kann man nicht beurteilen, ob jemand Yuseido beherrscht, wenn dieser die Formen fortführt.

Es fehlt das Element des Gegners.

 

Formen und Chi-Sao sind nur Mittel zum Zweck. Man lernt, auf einen Angriff mit der bestangepassten Verformung zu reagieren bzw. auf dem idealen Weg anzugreifen.

 

 

Unterscheidung der Techniken

 

Im Yuseido unterscheiden wir immer streng, wer agiert und wer reagiert. Im realen Kampf wechseln diese Verhältnisse ständig und durchdringen einander, wenn z.B. zwei Angriffe aufeinandertreffen. Man kann jedoch jede Kampfbewegung in eine der folgenden zwei Kategorien einteilen:

 

Aktive Bewegung

(werden willkürlich ausgeführt)

Passive Bewegung

(entstehen ohne eigenes Zutun, werden vom Gegner hervorgerufen

Angrifftechniken

(Fauststoß, Tritt….)

Yuseido – Abwehrtechniken

(Verformungen)

Yuseido – Angriffsschritt

Yuseido - Wendung

Karate - Blocks

 

Judo - Würfe

 

 

 

Angriffstechniken

 

Je besser man wird, umso mehr Situationen kann man mit weniger Techniken lösen, da man bereits im Ansatz die richtige Reaktion macht.

„Weniger ist mehr“ ist das Grundmotto im Yuseido.

 

Abwehrtechniken

 

Da Yuseido immer angreift und keine aktiven Blocks ausführt, sondern die Abwehr aus dem Angriff heraus entsteht, ist das System theoretisch nicht fintenfähig. Wie kann dabei die Abwehr funktionieren, wird hier an einem Beispiel beschrieben:

 

  1. Der Gegner macht einen Angriff, z.B. einen Fauststoß. Der Yuseido – Kämpfer greift in diesem Moment selbst an und geht mit einem Angriff entlang der Zentrallinie dem Gegner entgegen.
  2. Entweder trifft er den Gegner, z.B. wenn dieser mit einer weiten offenen Bewegung angreift (Laien – Schwinger) oder es ergibt sich ein Kontakt zum gegnerischen Arm. Dieser wird durch den Yuseido – Kämpfer jedoch nicht weggeblockt, er versucht nicht, die Bahn des Fauststoßes zu ändern.
  3. Stattdessen wird die Kraft mit dem Arm „aufgenommen“. Der Gegner spannt also unseren Arm wie eine Stahlfeder, das heißt, die Muskeln werden isometrisch kontrahiert (Verformung).

Isometrisch“ bedeutet eine Anspannung des Muskels ohne daraus resultierende Bewegung, das bedeutet ohne Verkürzung des Muskels.

  1. Wenn der Gegner merkt, das ein Angriff nicht durchkommt oder für einen erneuten Angriff seinen Arm zurücknimmt oder entspannt, dann entlädt sich die aufgebaute Spannung ohne Verzögerung in eine explosive Bewegung – den Gegenfauststoß. Der Gegner wird mit der Kraft getroffen, mit der er den Arm gespannt hat und der hinzugefügten Kraft des Yuseido – Kämpfers.

 

Das klingt noch alles theoretisch, aber stell dir zum Vergleich vor, du möchtest mit aller Kraft eine Schraube noch ein kleines bisschen weiter in die Wand drehen, aber der Schraubenzieher dreht sich nicht mehr. Plötzlich rutscht er ab… den Rest kannst du dir denken. So ähnlich wirkt die Yuseido – Abwehr.

 

Jede noch so kleine Lücke wird dadurch erbarmungslos sofort ausgenutzt. Du erkennst jetzt vielleicht: Yuseido ist ein sehr aggressiver Stil. Er basiert auf dem Angriff des Gegners, die Verteidigung ist dabei integriert bzw. entsteht aus dem Angriff heraus. Das gleiche Konzept wird auch bei der Beinarbeit angewendet.

Ist man stärker oder hat seine Gliedmaßen besser positioniert als der Gegner, dann schafft dieser es nicht eine Verformung hervorzurufen („Schwache Angriffe können keine starken Federn spannen“). Der Yuseido – Kämpfer zieht seinen Angriff (Fauststoß, Tritt…) durch, dabei werden durch die Ellbogen- oder Knieposition die Arme oder Beine des Gegners am Körper vorbei nach innen oder außen  gedrängt (Keilprinzip).